Der Nummernwahn

Wo Du hinschaust, überall werden die Menschen nummeriert. Beim Arzt bist Du plötzlich nicht mehr Lisa mit Blindarmreizung, sondern die Nummer 28 mit besagter Reizung.

Warum machen wir uns dann überhaupt noch die Mühe, einen Namen für unsere Kinder zu suchen. Wenn sie anschließend doch nur noch Nummern in der Welt sind. Es wäre doch viel einfacher wir geben ihnen gleich eine Nummer, dann sind sie das von Kindesbeinen an gewöhnt.

Selbst an der Fleisch oder Käsetheke lechzen wir nach Nummern. Sind ab sofort die Nummer 45, um endlich nach 44 unser 250 gr Hack zu bekommen. Auf Reisen mutieren wir beim fliegenden Personal plötzlich zur Nummer 4A oder 17C. Sie verbinden uns einfach mit dem Sitz. Der Hugo, der auf 4C sitzt, ist austauschbar und vollkommen wurscht. Dabei haben sich seine Eltern vor seiner Geburt Gedanken gemacht, um ihm einen schönen Namen zu geben. Sie dachten »Er sollte sich durch seinen Namen von anderen unterscheiden«. Bestimmt wollten sie ihn aber nicht 4C nennen.

Gut, man kann natürlich auch zwischen 1 und 2 unterscheiden. Aber wer ist denn gern die Nummer zwei? Die Nummer zwei ist der erste Verlierer!

Schon sind wir beim Sport. Da radeln sie tausende Kilometer durch Frankreich oder Spanien . Ohne Startnummer sind sie aber nichts! Fällt einer unterwegs vom Rad. Bekommt er sofort seine Startnummer entzogen. Ab jetzt zählt er nicht mehr zum Kreis der durchnummerierten Erlesenen.

Beim Fußball, pinnen sie dem Spieler eine Nummer auf den Rücken und hetzen ihn auf eine aufgeblasene Lederplunze. Nein! Die Nummer auf seinem Rücken verrät nicht seinen IQ. Er bekommt die Nummer vom Verein als Starterlaubnis hinter dem Ball herzurennen und vor allem aus Vermarktungszwecken.

Bei der Bank sind wir plötzlich nicht mehr Schuldner Fritz, sondern die überzogene Kontonummer 2.345.767. Von jedem Lieferanten bekommst Du eine Kundennummer zugewiesen. Ohne Nummer bist Du nichts in der Konsumwelt.

Der Staat nummeriert seine Bürger mit der Steuer-Identifikationsnummer. Allein der Name S-t-e-u-e-r–I-d-e-n-t-i-f-k-a-t-i-o-n-s-n-u-m-m-e-r sagt doch bereits alles. Der Staat ist nur an unserer Kohle interessiert. Wir als Mensch sind denen vollkommenvegal.

Nutznießer dieser Nummernplage ist also die Industrie und der Staat.?

Fragt man Sie »für was eine Nummer?« Kommt die Antwort »Zur Verwaltungsvereinfachung.« Sie sollten es mal mit weniger Mitarbeitern versuchen, dann hätten sie auch eine Verwaltungsvereinfachung. Denn Bürokratie lässt sich ins Unermessliche aufblasen. Dann kann man sie doch auch mächtig schrumpfen lassen.(Beispiel: 1974 nahm in der BRD das Bundesumweltamt mit 170 Mitarbeitern seinen Dienst auf. Die BRD hatte damals 248.000 qkm. Jeder Behördenmitarbeiter verwaltete damals ca. 1, 5 qkm. 1989 kam die Fläche der DDR dazu ca 108.000 qkm. Bei 1,5 qkm pro Mitarbeiter erhöht sich der Mitarbeiterbestand, auf ca. 244. Im Jahr 2016 hatte die Behörde ca. 1.500 Mitarbeiter. Ein Mitarbeiterzuwachs von 882 % bei der selben Fläche.)

Das mit den Nummern gilt auch für die Bundeswehrsoldaten. Unsere Kinder bekommen eine Blechmarke um den Hals gehängt und werden in Krisengebiete geschickt. Um es in Peter Strucks Worten zu sagen »Unsere Sicherheit wird nicht nur, aber auch am Hindukusch verteidigt«.
Auf dieser Erkennungsmarke steht nicht der Name Ihres Filius. Nein! Auch hier wird er zur Nummer degradiert. Im Fachjargon heißt es Personenkennziffer. Dazu kommt aber noch die Blutgruppe, der Rhesusfaktor, der Impfstatus und die Religion. Also wollen wir mal festhalten. Die Personenkennziffer ist für den Staat, Blutgruppe, Rhesusfaktor und Impfstatus ist für die Gesundheitsindustrie und die Religionszugehörigkeit ist für die Kirche. Jetzt wissen sie, für wen er dort kämpft und stirbt!
Wo bleibt der Mensch? Dein Name ist für diesen Staat nur Schall und Rauch.
Ähnlich auswechselbar wie der Passagier auf Sitz 4C im Flugzeug.

Wenn wir also eh zur Nummern degradiert werden, warum nicht gleich mein Kind mit einer Nummer statt mit Vornamen versehen. Geben sie dem Beamten auf dem Standesamt den Namen Ihres Kindes mit 3.427 an. Er verweigert den Eintrag. Der Standesbeamte verweist auf das Personenstandsgesetz. Das sieht einen eindeutigen Vornamen vor.

Absurd! Alle seine Kollegen in den umliegenden Behörden vergeben, gewollt oder ungewollt, Nummern an die Bürger. Brechen Sie dabei vielleicht das Gesetz? Schließlich haben wir ja das Personenstandsgesetz!

Wir Deutschen sollten es auf jeden Fall besser wissen. Nicht all zu lange her, haben wir Menschen nummeriert, eingesperrt und anschließend umgebracht.
Ist das Nummerieren also nur ein Vorspiel für Schlimmeres?
Die Verantwortlichen für diese Nummernschinderei. Die Erkennungsmarke, SteuerIdendifikationsnummer
etc.
ersonnen
und
entwickelt
haben,
um
Menschen
zu
Nummern
zu
degradieren, sollten im Büßergewand nach Buchenwald, Bergen-Belsen oder Dachau pilgern, bevor sie der Bevölkerung weiter mit Nummerierung drohen.
(An die Zuschauer) Ihre Eltern und meine Eltern haben uns einen Namen gegeben und ich glaube, das ist ein schöner Name. Allein aus Pietätsgründen gegenüber unseren Eltern sollten wir unsere Namen verteidigen und nicht gegen eine Nummer eintauschen lassen.
Wehren Sie sich dagegen. Oder wollen sie in Zukunft wirklich die Nummer 2.356.789
sein?

© 2016 by Carlos Wolf