Der Schein

Mit einem 100 Euroschein vervielfacht sich das Bruttosozialprodukt (BSP), heute auch Bruttonationaleinkommen (BNE) geannt, in einer Kleinstadt in der Eifel.

Der Schein

In einer Kleinstadt in der Eifel kam ein Reisender ins Hotel „Zum Löwen“. Er beabsichtigte, dort zu nächtigen. Fragte nach dem Preis eines Einzelzimmers und erkundigte sich nach dessen Ausstattung. Während der weiteren Unterhaltung legte er seinen Personalausweis und einen 100-Euroschein auf den Tresen. Als höflicher Gastgeber bot der Hotelier ihm an, dass die Auszubildende ihm das Zimmer zeigen würde, bevor er sich entscheidet. So ging der Reisende mit der Auszubildenden eines der Zimmer begutachten. Der Hotelier eilte währenddessen in die Küche, um die Soßen für den abendlichen Restaurantbetrieb vorzubereiten.

Unterdessen kam die Gattin des Hoteliers an die Rezeption. Die 100 Euro auf dem Rezeptionstisch erfreuten sie sehr, denn sie konnte heute Morgen den Metzger nicht bezahlen. Sie schnappte das Geld und lief schnell in die Metzgerei und zahlte ihre Schulden.

In Anbetracht der prekären Wirtschaftslage war der Metzger ungemein froh über die schnelle Begleichung der Rechnung. Die Hoteliersgattin war kaum aus dem Laden, da schickte er seinen Gesellen mit dem 100-Euroschein zum Bäcker, um die alten Brötchen zu bezahlen, die er heute Morgen in den Frikadellen verarbeitet hatte.

Auch der Bäcker war sichtlich erleichtert, nun konnte er endlich dem Müller die geschuldeten 100 Euro zukommen lassen. Der Müller wiederum nahm den Schein und lief hurtig zum Eisenwarenhändler, der ihm vor Wochen eine Maschine reparierte und seither auf sein Geld wartete.

Der Eisenwarenhändler freute sich diebisch, da seine Frau nicht zu Hause war, als der Müller ihm den 100-Euroschein gab. Er wusch sich schnell die Hände, setzte sich ins Auto und fuhr zu Rosi. Er steckte ihr den 100-Euroschein tief in den Ausschnitt und wurde sogleich mit einem Quickie bedient. Kaum war er aus dem Haus, schnappte Rosi die 100 Euro und lief geradewegs ins Hotel „Zum Löwen“, um ihre Restaurantrechnung von letzter Nacht zu begleichen. Da sie den Hotelier in der Küche hantieren hörte, rief sie ihm zu, dass sie 100 Euro auf den Tresen der Rezeption gelegt habe, und verschwand sogleich zu ihrem nächsten Freier.

Während der Reisende mit der Auszubildenden die Treppe herab kam, sagte er ihr, er habe sich das mit dem Zimmer doch anders überlegt. Er nahm seinen Personalausweis und die 100 Euro vom Tresen und verließ das Hotel.
Carlos Wolf